5 Einwände im Faktencheck
Drei Winter lang hat das Fraunhofer ISE Wärmepumpen in 77 bewohnten Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen, das älteste davon von 1826. Herausgekommen sind Zahlen, die mit einigen hartnäckigen Annahmen aufräumen (Fraunhofer ISE, 2025).
Dass es diese Annahmen gibt, ist kein Wunder. Wärmepumpen gibt es seit Jahrzehnten, in den meisten Heizungskellern stehen trotzdem noch Gas- und Ölkessel. Für viele, die über einen Wechsel nachdenken, ist die Technik also neu, und über Neues wird viel erzählt. In unseren Beratungsgesprächen hören wir deshalb immer wieder dieselben Ängste:
„Das lohnt sich bei uns nicht. Wir haben ja keinen Neubau.“
„Unsere Heizkörper passen nicht dazu.“
„Im Winter heizt doch sowieso der Heizstab.“
„Das Ding im Garten ist zu laut.“
„Mit Strom heizen ist viel zu teuer.“
Hier sind alle fünf, der Reihe nach, mit dem, was die Messdaten dazu sagen.
„Das lohnt sich bei uns nicht. Wir haben ja keinen Neubau.“
Neue Häuser sind gut gedämmt, alte eher nicht, und die Wärmepumpe gilt als etwas für Energiesparhäuser. Die Messdaten sagen etwas anderes. Das Baujahr spielte in der Studie keine Rolle: Die Forschenden fanden keinen Zusammenhang zwischen dem Alter eines Hauses und der Effizienz seiner Wärmepumpe. Im Schnitt machten die Luft-Wasser-Wärmepumpen aus einer Kilowattstunde Strom 3,4 Kilowattstunden Wärme (Fraunhofer ISE, 2025).
Entscheidend ist etwas anderes, nämlich wie warm das Heizwasser werden muss, damit die Zimmer warm werden. Je weniger, desto leichter hat es die Wärmepumpe. Und das hängt an der Dämmung und an der Größe deiner Heizkörper, nicht an der Jahreszahl über der Haustür.
Ganz aus der Luft gegriffen ist der Einwand allerdings nicht. Eine Wärmepumpe verzeiht keine schlechte Planung, und auch das hat die Studie gezeigt: Manche Wärmepumpen waren für ihr Haus schlicht zu groß. Sie sprangen ständig an und wieder aus, im Extremfall 15.800-mal im Jahr, und das hält auf Dauer keine Technik gut aus. Wie groß eine Wärmepumpe sein muss, lässt sich aber vorherberechnen, Raum für Raum.
„Unsere Heizkörper passen nicht dazu. Dafür bräuchten wir eine Fußbodenheizung.“
Für eine Wärmepumpe brauchst du keine Fußbodenheizung. In der Fraunhofer-Studie heizte nur ein Viertel der Häuser ausschließlich über den Boden, ein weiteres Viertel nur mit Heizkörpern, die übrigen mit einer Mischung aus beidem. Ausreichend große Heizkörper kamen dabei mit ähnlich warmem Wasser aus wie eine Fußbodenheizung(Fraunhofer ISE, 2025).
Ihren Ruf hat die Fußbodenheizung trotzdem nicht umsonst. Sie verteilt die Wärme über eine große Fläche und kommt deshalb mit lauwarmem Wasser aus. Heizkörper schaffen das nur, wenn sie groß genug sind, und ein einzelner schmaler im Bad oder unter dem Fenster kann zu knapp bemessen sein. Dann wird genau dieser eine getauscht, und alle anderen bleiben hängen. Welche das sind, zeigt eine Heizlastberechnung für jeden Raum.

„Im Winter heizt doch sowieso der Heizstab. Dann ist der ganze Vorteil weg.“
Die Sorge ist berechtigt, zumindest auf dem Papier. Ein elektrischer Heizstab macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme, die Wärmepumpe im Schnitt mehr als drei. Würde er ständig laufen, wäre der Vorteil tatsächlich schnell dahin.
In der Praxis läuft er kaum. Das Fraunhofer ISE hat drei volle Winter mitgemessen, und bei den Luft-Wasser-Wärmepumpen entfielen im Schnitt nur 1,3 Prozent des Stroms auf den Heizstab (Fraunhofer ISE, 2025). Bei Erdwärmepumpen lag der Anteil nahe null. Er ist eine Reserve, kein Dauerbetrieb.
„Das Ding im Garten ist zu laut. Das gibt nur Ärger mit den Nachbarn.“
Ob es Ärger mit den Nachbarn gibt, entscheidet sich meist schon bei der Planung. Steht das Außengerät direkt vor einer Hauswand, steigt der Schalldruck um 3 Dezibel, in einer Ecke zwischen zwei Wänden um 6. Die Wände werfen den Schall zurück, ungefähr so, wie ein Spiegel Licht zurückwirft. Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt deshalb mindestens drei Meter Abstand zur nächsten Mauer und nennt eine gute Planung vor der Installation die beste Schallschutzmaßnahme (LfU Bayern).
Bei fünf Außengeräten, die das Fraunhofer ISE nachgemessen hat, lag der Pegel durchgängig weniger als 15 Dezibel über dem Hintergrundgeräusch, meist weniger als 10. Für die Nacht gibt es außerdem eine klare Grenze: In reinen Wohngebieten dürfen am Fenster der Nachbar:innen höchstens 35 Dezibel ankommen, etwa so viel wie ein leises Radio (BWP, 2021). Weil eine Wärmepumpe auch nachts läuft, wenn es draußen still ist, zählt genau dieser Wert. Den größten Teil des Geräuschs macht dabei meist der Ventilator, deshalb lohnt es sich, den Platz für das Außengerät genauso früh zu planen wie die Wärmepumpe selbst.
„Mit Strom heizen ist viel zu teuer. Gas ist doch viel billiger.“
Pro Kilowattstunde stimmt das sogar, Strom kostet deutlich mehr als Gas. Auf der Heizkostenabrechnung sieht es trotzdem anders aus. Für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern lagen die Heizkosten 2025 bei 1.260 Euro mit Wärmepumpe und 2.040 Euro mit Erdgas, das zeigt der Heizspiegel 2026 von co2online. Seit 2022 ist die Wärmepumpe in diesem Vergleich die günstigere Heizung (Heizspiegel 2025).
Der Grund steht schon beim ersten Einwand. Aus einer Kilowattstunde Strom holt die Wärmepumpe mehr als drei Kilowattstunden Wärme und gleicht damit den höheren Strompreis aus. Wie viel du am Ende zahlst, hängt deshalb vor allem an zwei Dingen, nämlich wie effizient deine Wärmepumpe läuft und zu welchen Zeiten sie ihren Strom bezieht. Mit einem Tarif, dessen Preis sich über den Tag ändert, lassen sich die günstigen Stunden gezielt nutzen.
Für dein Haus gibt es eine eigene Rechnung
Die Studien zeigen, was im Schnitt gilt. Für dein Haus zählen am Ende drei Dinge: wie viel Wärme es braucht, wie groß deine Heizkörper sind und wo das Außengerät Platz findet. Das lässt sich berechnen, bevor irgendetwas eingebaut wird. Wenn du wissen willst, wie das bei dir aussieht, sprich mit uns.
Welches System passt zu deinem Haus?



